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Schmutzkampagne? Vorwürfe gegen Baerbock erinnern viele an Trump’schen US-Wahlkampf

Als Annalena Baerbock im April ihre Kanzlerkandidatur verkündete, kam kurz so etwas wie Aufbruchsstimmung auf: Viele hofften auf Veränderung nach 16 Jahren CDU und einen spannenden Wahlkampf, in dem es um Inhalte gehen würde. Doch es sollte anders kommen: Lebenslauf, Nebeneinkünfte, Plagiatsvorwürfe. Die Grünen beschäftigen sich mit allerlei Nebengeräuschen beschäftigen, aber nicht mit Politik. Nach einem zwischenzeitlichen Hoch in den Umfragen sind sie mittlerweile wieder hinter Armin Laschet und die Union gefallen. Viele sehen in den Angriffen auf Baerbock allerdings eine Schmutzkampagne vonseiten der Konservativen und Rechten und erkennen darin Parallelen zum Trump-Wahlkampf 2016. Was ist dran an dieser Behauptung?

 
Was uns nicht umbringt, macht uns stärker: Der ehemalige Vize-Kanzler Sigmar Gabriel nennt den diesjährigen Wahlkampf zwar „armselig“, meint aber, dass man da mit einer entsprechenden Standhaftigkeit einfach durch müsse.

 
Seine Parteikollegin Katarina Barley erinnert daran, wie damals mit Martin Schulz umgesprungen wurde oder wie Frauen allgemein behandelt werden. Für die SPD-Genossen ist Wahlkampf offensichtlich ein hartes Pflaster – also Augen zu und durch, friss oder stirb.

 
Dennoch fällt auf, wie die Verfehlungen von Laschet und Scholz weit weniger thematisiert werden und präsent sind, obwohl sie als deutlich schwerwiegender zu bewerten sind und direkt mit dem politischen Amt in Verbindung stehen.

 
Der Journalist Enno Park sieht hier einen von links bis rechts und von oben bis unten weit verbreiteten Konformismus bzgl. Hierarchien und konservativer Werte vorherrschen.

 
Männer wie Laschet, Scholz oder Trump agieren als Machtpolitiker und Alphamännchen Rollenkonform im Sinne unserer strukturell konservativen Gesellschaft. Progressive Politik und eine Frau im Spitzenamt entsprächen nach wie vor nicht der Norm.

 
Leute wie Baerbock oder Rezo werden angegriffen, weil sie nicht der konservativen Norm entsprechen. Anstatt ihre Inhalte und Argumente anzuhören und gelten zu lassen, wird ihr Status infrage gestellt.

 
Dass konservative Medien wie Fox News in den USA oder Bild und Welt hierzulande derart tendenziös berichten, dürfte dabei nicht weiter überraschen. Nur leider lassen sich manche Leitmedien, die es eigentlich besser wissen müssten, davon mitreißen, wie Autor Georg Dietz meint.

 
Der Journalist Stephan Anpalagan ist in seiner Analyse deutlich meinungsfreudiger. Er erinnert daran, wie schon Greta Thunberg von Leuten wie Merz, Ziemiak, Dieter Nur oder Bild-Chef Reichelt persönlich angegriffen wurde.

 
Das Augen-zu-und-durch der SPD-Politiker von oben kann und will Anpalagan so nicht hinnehmen.

 
Die Unionsminister der aktuellen Regierung haben zahlreiche Korruptionsfälle zu verantworten. Nebeneinkünfte wurden auch von anderen Politikern nicht gemeldet – mehrheitlich aus der Union. Die Plagiatsvorwürfe mögen für eine wissenschaftliche Arbeit gravierend sind, sind für ein Populär-Sachbuch wie dem von Baerbock jedoch kein Maßstab.

 
Wie man bei Trump oder der AfD immer wieder gesehen hat, bauschen Populisten gerne auf, lassen die Empörungswelle rollen und reden wichtigeres klein. Es geht nicht darum, Verfehlungen totzuschweigen, aber Wähler und Medien müssten wieder ein Gespür für die Verhältnismäßigkeit entwickeln.

 
Dass einem diese oder jene Politik gefällt oder nicht gefällt, ist völlig legitim. Das ist der Sinn von Demokratie. Der Sinn von Demokratie ist aber auch, sich auf inhaltlicher Ebene mit Argumenten über die Gestaltung unserer Zukunft und Gesellschaft auseinanderzusetzen und Kompromisse zu finden.

 

 


Vielen Dank an alle für die Posts.

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Annalena Baerbock Bundestagswahl Wahlkampf

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