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Um Kopf und Kragen reden: Wenn sich Influencer unqualifiziert über Rassismus äußern

5 Minuten lesezeit

Dank Social Media bietet sich ein zuvor kaum gekanntes Maß an Möglichkeiten, seine Meinung frei zu äußern. Das hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Einerseits kann prinzipiell jeder von seiner Meinungsfreiheit Gebrauch machen. Insbesondere Minderheiten können sich so Gehör verschaffen, die zuvor in traditionellen Medien wie Zeitung, Fernsehen oder Radio unterrepräsentiert waren. Andererseits können nun Leute auf sich aufmerksam machen, die nicht die Expertise besitzen, sich zu einem bestimmten Thema gehaltvoll zu äußern.

Während es im privaten Freundes- und Bekanntenkreis nicht weiter auffällt, wenn jemand seine unqualifizierte Meinung oder nachweisliche Fehlinformationen von sich gibt, können solche Leute auf Social Media eine ungeheure Reichweite aufbauen, dank der sie ihre Überzeugen verbreiten. Im Großen zeigt sich diese Problematik beispielsweise in Form von Fake News und Verschwörungstheorien.

 

Im kleinen zeigt sich das anhand von Influencern, die plötzlich den Drang verspüren, sich zu gesellschaftspolitischen Themen äußern zu müssen.

 

So versteht die junge Frau in dem obigen Videoausschnitt nicht, warum ihre „dunklen Freunde“ nicht wollen, dass sie als weiße Person das N-Wort sagt.

 

Offensichtlich fehlt ihr das Verständnis dafür, dass gewisse Wörter mit einer bestimmten Konnotation von entsprechenden Minderheiten als beleidigend empfunden werden.

 

In einem anderen Fall beschwerte sich die Tiktokerin sonnyloop, dass sie wegen ihrer hellen Haut von „dunklen Leuten rassistisch behandelt wurde“, was ihrer Meinung nichts anderes als Rassismus sei. (The Best Social berichtete.)

 

Was sonnyloop offensichtlich nicht begriff: Rassismus beschränkt sich nicht allein darauf, dass man wegen seiner äußeren Erscheinung beleidigt wird.

 

Nicht zuletzt erfahren bestimmte Personengruppen eine teilweise strukturelle Diskriminierung, durch die sie spürbare Nachteile in ihrem Alltagsleben erleben – zum Beispiel bei der Job- oder Wohnungssuche.

 

Aber dass manche Influencer die Dimensionen der Themen, über die sie sprechen, nicht erfassen oder nicht in der Lage sind zu differenzieren, ist nur ein Aspekt.

 

Ein anderer ist, dass mitunter eine Art naive Unschuld an den Tag gelegt wird, die dem Thema nicht gerecht wird. Natürlich kann man den Leuten nicht absprechen, dass sie tatsächlich betroffen sind. Aber durch das allgemeine Influencer-Image steht schnell der Vorwurf im Raum, solche Botschaften seien gekünstelt oder sogar geheuchelt.

 

Userin Berfo, die den obigen Videoausschnitt als Beispiel gepostet hat, bringt ihre Sicht auf Influencer mit diesem sarkastischen Tweet auf den Punkt.

 

In diesem Sinne machen sich die Betroffenheit unglaubwürdig, da sie in ihrem bequemen Heim mit „Gedanken und Gebeten“ auf eine bessere Welt hoffen, anstatt beispielsweise ihre Einnahmen zu spenden, oder solche Botschaften nur senden, um den Umsatz zu steigern.

 

Auf Twitter und Instagram wurde Berfo heftig kritisiert, sich auf „weiße“ Influencer zu beziehen. Doch scheint die Kritik auch hier einen Punkt zu übersehen. Der Tweet lässt sich als Hinweis auf die sogenannten „weißen Privilegien“ lesen. Denn wie gesagt, Rassismus geht tiefer.

 

In einer weißen, mitteleuropäischen Gesellschaft werden lieber weiße Menschen in Film, Fernsehen oder Internet gezeigt und angeschaut als nicht nicht-weiße; wenn manche Influencer Kleidung oder Make-up in die Kamera halten und damit Geld verdienen, profitieren sie indirekt von den Produktionsbedingungen in den jeweiligen Produktionsländern.

 

Die drei gezeigten Beispiele riefen Kritik hervor, weil sie sich naiv und unqualifiziert über Rassismus und andere gesellschaftspolitische Themen äußerten.

 
Wie gesagt mag so etwas im Privaten nicht weiter problematisch sein und es mag heutzutage auch deutlich schlimmere Extreme geben, aber Kritik ist insofern gerechtfertigt, da diese Leute eine gewisse mediale Reichweite erzielen und mit ihren Äußerungen nicht zuletzt junge, unerfahrene Menschen erreichen. Solange sie nur über Mode, Make-up und ihren Alltag erzählen, ist das harmlos, aber gerade über sensible Themen sollte nicht ohne eine gewisse Expertise gesprochen werden. Zudem läuft man Gefahr, sich unglaubwürdig zu machen.

Im Gegensatz dazu gibt es auf YouTube, Instagram und Tiktok viele qualifizierte Personen, die sich adäquat mit Rassismus und anderen gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzen, etwas zu sagen haben und denen man lieber zuhören und Aufmerksamkeit schenken sollte.


Vielen Dank an alle für die Posts.

Keine Influencer! Kein Foodporn! Nur ganz viel Spaß – bei uns auf Instagram:


Influencer Rassismus

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