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Youtube ändert jetzt sein System und das wird die Welt verbessern

Guillaume Chaslot ist ehemaliger Google-Mitarbeiter und Algorithmus-Programmierer. Er hat sich jetzt zu „seiner“ Technik geäußert.

1. Youtube hat angekündigt, dass die Plattform aufhören wird, Verschwörungstheorien zu promoten. Zum Beispiel jene Videos, die die Existenz einer flachen Erde „beweisen“. Guillaume, der bei jenem Algorithmus mitarbeitete, findet, dass dies ein historischer Sieg ist.


2. Er nimmt das Beispiel eines Bekannten Brian, der nach dem Tod seines Vaters auf Youtube „flüchtete“. Die Verschwörungstheorien haben Brian quasi verschluckt. Er würde jetzt keinem mehr trauen, nicht mehr arbeiten und keine Kinder mehr wollen.

3. Für Youtube und den Algorithmus ist Brian pures Gold. Für seine Familie ist das tragisch.

4. Warum ist er „Gold“? Der Algortihmus wurde so programmiert, den Zuschauer möglichst lange auf der Videoplattform zu halten, um die Werbeeinnahmen zu steigern. Somit ist Brian A. eine Werbeeinnahme und B. eine weitere Quelle, um den Algorithmus zu füttern. Denn: Brian verbringt so viel Zeit auf Youtube, dass der Algorithmus schlussfolgert, seine Videos würden ihn dort halten. So werden seine geschauten Videos beim nächsten Mal mit höherer Wahrscheinlichkeit weiteren Nutzern vorgeschlagen.


5. Aber Brians Verhalten sollte nicht imitiert werden. Er ist geschwächt, vermutlich depressiv und auf einer Spirale nach unten.

6. Darüber hinaus führt Brians Verhalten zu einem Teufelskreis für ander: Brians lange Sehzeiten beeinflussen Youtube, weil a.) Nutzer mit langer Seezeit als wertvoll betrachtet werden, b.) deren geschaute Inhalte mehr Zuschauer bekommen sollen, c.) Youtuber das bemerken und davon mehr kreieren, d.) Menschen noch mehr mit genau diesen Inhalten in anderen Videos ihre Zeit verbringen – und wieder zurück zu a.).


7. Dieser Teufelskreis wurde auch auf ander Plattformen, z.B. an Twitter-Bots getestet: Diese wurden in weniger als 24 Stunden rassistisch, wenn man sie mit diesen Inhalten „fütterte“. Letztendlich sind oft wiederholte Inhalte von hyperaktiven Nutzer das Model für den Algorithmus, um scheinbar alle Nutzer online halten.

8. Guillaume erforschte selbst, dass Verschwörungstheorien zu einer flachen Erde 10x mehr vom Algortihmus promotet werden, als die runde Erde.


9. Neben Verschwörungstheorien bringt der Algorithmus weitere Probleme: Suchtgefahr, Radikalisierung, politische Instrumentalisierung und grausame Kindercartoons, in denen Elsa den Kopf verliert.


10. Es gäbe zwei Wege für u.a. Youtube, diesen Teufelskreis zu beenden: Entweder schauen ganz viele Nutzer auf einmal Videos über eine runde Erde an – oder man ändert den Algorithmus. Nach 13 Jahren hat sich Youtube entschlossen, den Algorithmus zu verändern.

11. Was genau bringt diese Veränderung mit sich? Verschwörungstheorien werden nicht länger empfohlen und bekommen so nicht weitere Millionen Klicks. Brian ist kein „Vorbild“ mehr.


12. Das könnte Tausende vor Brians „Spirale nach unten“ bewahren.

13. Natürlich können weiterhin schädliche Inhalte produziert werden und weiterhin sind 70% der geschauten Inhalte auf Youtube über Empfehlungen beim Nutzer gelandet. Aber die Empfehlungen schauen jetzt anders aus.

14. Und somit ist Youtubes Algorithmus-Veränderung ein historischer Sieg für humanere Technologie: Anstelle die Schwächsten weiter herunterzuziehen, könnten alle von der Kreativität und unserem Wissen profitieren.

Zur offiziellen Pressemitteilung auf Youtubes Blog klick mich.

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Lenkt sich von Schlafproblemen mit Social Media ab. Nach einer Kindheit in Berlin, einem Abschluss…


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