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Das Netz erfindet Hipstersprichworte und die treffen ins Schwarze

7 Minuten lesezeit

Es waren einmal Kevin und Chantal. Die kommen aus Spandau. Zum Studieren wollten sie nach Berlin ziehen, wurden aber an der Außengrenze von Spandau aufgehalten. Ein Bärtiger erklärte ihnen sogleich, wie sie richtige Berliner werden würden.


Prolog.

 
1. Kapitel

“Als erstes”, sprach der bärtige Akira, “müsst ihr die Sprache lernen.” Mit den richtigen Sätzen fallt ihr gar nicht auf.

 
Kevin gefiel die Aussicht auf Vokabellernen nicht so sehr und er drückte seinen Unmut für Akira verständlich aus.


 

Chantal fand, er solle sich nicht so anstellen und raunzte ihn an:


 

(Die beiden hatten schon länger Beziehungsprobleme.)


 

Akira meinte daraufhin, dass Integration wichtig sei, denn:

 

Diese Metapher verstand weder Kevin noch Chantal, aber Chantal wusste, dass sie die Sprache für die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in Kreuzberg brauchen würden.

 

Sonst würde sie dort keiner in eine Wohngemeinschaft aufnehmen.


 

Kevin verstand den Ernst der Lage nicht und empfand, dass es Zeit für einen Witz wäre: “Hehe, ich will aber gar nicht auf den Kreuzberg, denn…”


 

Chantal und Akira schauten ihn stumm an.


 

“DAS IST DER GLEICHE BEZIRK, DU OPFER!!!”, schrie Chantal ihn daraufhin hyterisch an.


 

“Hören Sie”, sprach Akira zu Kevin in ruhigerem Tone, “Wir sind ein ernstes und witzloses Volk, sie können hier nicht einfach…

 

“Das stimmt”, pflichtete ihm sein soeben dazugekommener Kollege Äschtäg bei.

 

“Aber eigentlich ist nicht nur die Sprache wichtig, um aufgenommen zu werden. Auch müsst ihr eure Ernährung umstellen, um diese Grenze überhaupt zu überschreiten”, fuhr Äschtäg fort. Chantal und Kevin bekamen Angst. Würden sie es je schaffen?

 

Kapitel 2

Was Äschtäg prophezeite, würde die Nahrungsaufnahme ein Hauptthema im Integrationstest werden.


 
Dabei war es vor allem wichtig, wie das Essen aussah.


 
Nicht so wichtig, ob man es lecker zubereitete.

 
Und so scheiterten Kevin und Chantal beim ersten Test. Äschtäg kam zu ihnen und rügte sie.

 
“Ab jetzt merkt euch: Püriert ist immer besser!”


 

“Neu ist immer besser!”


 

Aber Kevin fand, dass er das Motto und die Essenz der Kultur eigentlich gut verstanden hatte.

 

“Heißt es denn nicht, Schweigen ist Silber, Reden ist Gold?”, fragte er. “NEIN DAS HEISST ES NIRGENDWO, DU UNBÄRTIGER, UND HIER HEISST ES:

 

Äschtäg war außer sich und fluchte weiter leise am Lehrerpult vor sich hin.

 

“Sag mal,” flüsterte Kevin Chantal von seiner Schulbank aus zu, “findest du nicht auch, dass er etwas ungesund aussieht?”

 

Und weil Äschtäg fürchtete, die beiden würden das seinem Arbeitgeber, der Integrationsbehörde mitteilen, lies er sie trotz miserablem Ergebnis Spandaus Grenze überschreiten.

 
Chantal und Kevin waren nun endlich in Berlin! Jetzt brauchten sie nur noch Wohnraum. “Ach, das wird leicht!”, rief Kevin überglücklich.
 

Kapitel 3

“Ich verstehe, dass ihr nicht auf der Straße leben wollt, aber es interessiert mich nicht.”


 

“Meldet euch erst wieder, wenn ihr Künstler seid oder über 10K Follower habt” und so setzte das Sozialwohnungsamt Chantal und Kevin vor die Tür.


 

Chantal fand, dass die Anforderungen etwas übertrieben seien.

 
“Vielleicht aber sollten wir auch ändern, wie wir aussehen”, schlug Kevin vor.


 

Chantal nickte.


 

Also auf zum Barbershop!


 
Der Barber war allerdings irritiert und meinte: “Sie bräuchten aber zuerst einen Bart, um meinen Service in Anspruch zu nehmen.”


 

“Euer Geld nehme ich natürlich trotzdem gerne.”, fügte er noch leise hinzu.


 

“Achso,” Kevin und Chantal waren enttäuscht, denn keiner von ihnen hatte Bartwuchs. “Ach egal!”, rief Kevin dann, “Lass ich mir eben die Haare am Kopf wachsen!”

 
“Ja nee, so einfach geht das nicht”, widersprach der Barber sofort. “Ohne das eine geht das andere nicht.”


 

Dann wandte er sich an Chantal: “Wissen Sie, ich würde mir das an Ihrer Stelle mit dem Typen hier noch mal überlegen,…”

 
“…denn gerade hat er nicht sehr viel zu bieten.”

 
Also verließ Chantal Kevin. Sie war sich sicher, dass sie ohne ihn besser ins Berghain käme.


 

Kapitel 4
 

Ab da kannte Kevin nur noch ein Lebensmotto:


 
Jahre später betrat er erfolgreich seine Stammkneipe.


 
Am Eingang stand fett:


 
Innendrin sah er, dass eine Frau Schwierigkeiten hatte, mit ihrer Karte zu bezahlen. Er eilte zur Hilfe. Er besaß natürlich natürlich weder Bargeld noch Karte, aber das war kein Problem.


 

“Wow”, sagte sie beeindruckt. Aber er trat bescheiden ab.


 

Dann erkannten sie sich. Es war Chantal. Mit Birkenstocks hatte er sie nicht erkannt. Sie ihn mit Tattoos, Bart, Dutt und Yoga-Matte auch nicht. “Wie kommt’s, dass du Bitcoins hast?”, fragte sie. Er wusste nicht so recht.


 

“Willst du einen Kaffee mit mir trinken?”, fragte sie dann. “Nee,” meinte er.

 
Beide verließen den Laden. Gemeinsam getrennt.
 

Epilog.

 

Lenkt sich von Schlafproblemen mit Social Media ab. Nach einer Kindheit in Berlin, einem Abschluss…



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